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22.12.2014: Als Weihnachtsüberraschung haben 570 Beschäftigte von AGCO-Fendt in Marktoberdorf im Allgäu und Asbach-Bäumenheim bei Donauwörth ihre Kündigung zum 1.Januar 2015 erhalten. Der zum US-amerikanischen AGCO-Landmaschinenkonzern gehörende Traktorenbauer hat derzeit etwa 3200 Beschäftigte in Marktoberdorf im Kreis Ostallgäu und 1000 in Asbach-Bäumenheim im bayerischen Kreis Donau-Ries. Von diesen sollen nun 450 Leiharbeiter, die aber großenteils schon jahrelang im Betrieb arbeiten, und 120 Festangestellte gehen. Der Kahlschlag soll sich über alle Unternehmensbereiche einschl. Verwaltung erstrecken.

Fendt verzeichnete 2013 als das Rekordjahr seiner Geschichte: Fast 18.000 Traktoren (22% mehr als im Vorjahr) wurden verkauft (bei 97 Beschäftigten weniger als im Vorjahr). Seit der letzten Konjunkturdelle im Jahr 2009 zog die Produktion kontinuierlich an. Noch im Juli 2014 war bei einer Präsentation auf Schloß Neuschwanstein die Rede von 20.000 Traktoren in 2014. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch nach Brasilien und den übrigen amerikanischen Kontinent exportiert werde. Etwa 14.800 Traktoren sind es nun in 2014 geworden.

In Frankreich, dem größten europäischen Absatzmarkt für Fendt, brach der Umsatz um 25% ein. Die Folgen der vor allem von Deutschland von der EU geforderten Sparpolitik? Hinzu kommen laut Peter-Josef Paffen, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, die Sanktionen gegen Russland (es wird immer deutlicher, dass sich EU und Deutschland damit ins eigene Fleisch geschnitten hat, Anm.K.W.), sowie geringere Erlöse bei Getreide und Milch. Dies führe zu sinkender Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft. So die Fendt-Geschäftsführung. Und wenn ein Bauer schon mal so einen Super-Traktor von Fendt im Stall stehen hat, kauft er ja im nächsten Jahr nicht schon wieder einen neuen.

Die regionale Presse konnte den „Leuchtturm der Allgäuer Wirtschaft“ und größten Arbeitgeber in der Region in den letzten Jahren gar nicht genug hochjubeln: “Bei Fendt geht es weiter bergauf“, „Mit Volldampf voraus:Agco-Fendt will sich international etablieren“, „Produktion bei Fendt läuft rund“. Das DLG-Imagebarometer kürte Fendt zum „Imageführer in Deutschland“ im Bereich Markttechnik, zwei Goldmedaillen auf der Landtechnik-Messe in Posen, die für den zentral- und osteuropäischen Markt führend ist: eine für den Hybridmähdrescher 9490X und eine weitere für den Traktor Fendt 800 Vario. Der ist inzwischen schon wieder überholt von dem stärksten Standardschlepper der Welt: dem 1050 Vario mit 500 PS, 6 Zylindern, 12,4 l Hubraum. Er steht im Ruf eines „German Meisterwerk“. Tag der offenen Tür und Show-Events machen Fendt und seine Produkte bekannt, jedes Kind kennt die Spielzeugtraktoren.

Ebenfalls war im Juli noch davon die Rede, dass in 2014 Investitionen in Höhe von 74 Mio Euro getätigt und die 400 Fendt-Ingenieure auch mit materiellen Anreizen zu Höchstleistungen motiviert werden sollen, um die Produktion auf 20.000 Traktoren in diesem Jahr zu bringen.. Doch jetzt ist die Rede von einem „vernünftigen Sozialplan“, einer Transfergesellschaft, finanziert von der Arbeitsagentur (also der Allgemeinheit) und Fendt. Abfindungen, Vorruhestandsregelungen und Versetzungen innerhalb des Unternehmens, auch zwischen Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim sollen einiges abfedern. Auch ein „Sabbatjahr“ wird angeboten: die Beschäftigten sollen für ein Jahr gehen und sich in der Zeit z.B. weiterqualifizieren und werden nach einem Jahr huldvoll wieder aufgenommen - sofern dann eine Stelle frei ist.

Der AGCO-Konzern, der 1997 den traditionellen deutschen Landmaschinenhersteller Fendt übernommen hat, verfährt nach dem Motto "für die Dividende am Personal sparen". Mit einer Steigerung des operativen Gewinns um 30% auf 900 Mio. USD und einem Gesamtprofit von 2,39 Mrd. USD hat der US-Konzern im Jahr 2013 den bisher größten Gewinn in die Scheuer gefahren. Die Krise trifft ausschließlich die Beschäftigten.    

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