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Frauenstreik 8M2019 Berlin12.03.2019: Das Ziel war hoch gesteckt: den Internationalen Frauentag und die Aktivitäten der Frauen an diesem Tag zu vernetzen, zu bündeln und gemeinsame Aktionen und Demonstrationen organisieren. Die Frauen zur Teilnahme an einem Streik zu mobilisieren schien wohl vielen Menschen in diesem Land als gewagtes Unterfangen. Auch ich war kritisch, ob dies gelingen kann. Es ist gelungen – und wie!

Der Internationale Frauentag ist seit über 100 Jahren in vielen Ländern der Tag im Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen. Die Aktivitäten sind so unterschiedlich wie die Frauen, die sie organisieren, wie Staaten, in den denen sie stattfinden und die dort aktuell anstehenden Themen und Forderungen.

Der letzte große gemeinsame Streiktag in Deutschland war am 8. März 1994 mit über 1 Million Teilnehmer*innen. Als eine der Initiator*innen erinnert sich Gisela Notz: „Unter dem Motto "Jetzt ist Schluss! – Uns reicht’s!" richtete sich der Aufruf gegen die vielfältig bestehende Frauendiskriminierung nach der "Wende", gegen den Abbau von Grundrechten und Sozialleistungen, gegen Gewalt, für gleiche Rechte für Flüchtlinge und Migrantinnen, für vielfältige Lebensformen und Selbstbestimmung im Falle einer ungewollten Schwangerschaft. Aufgerufen wurde zur Verweigerung der (jetzt) bezahlt und der (jetzt) unbezahlt geleisteten Arbeit in Produktion und Reproduktion. Ein solcher Streik war ein Novum.“(Gisela Notz: Frauenstreik 1994 – 8. März. Schluss! Uns Reicht’s!)

An diesen Streik wurde angeknüpft, am 8. März 2019 sollte bundesweit die bezahlte und unbezahlte Arbeit niedergelegt werden. Die Lohn und Arbeitsbedingungen, die Aufwertung und Umverteilung der unbezahlten Erziehungs-, Haushalts- und Pflegearbeit waren Thema, ebenso wurde ein deutliches Zeichen für körperliche und sexuelle Selbstbestimmung und gegen jede Form von Gewalt an Frauen gesetzt.

Es gab Begeisterung und Zuversicht bei Organisator*innen, viele Organisationen und auch Gewerkschaften wurden zur Teilnahme gewonnen.

Frauenstreik 8M

 

International.Frauen.Streik. Kampftag für die Rechte der Frauen!

 

 

Doch wie bereits bei den Vorbereitungen von Aufrufen und Demonstrationen von "Aufstehen ge-gen Rassismus" oder #unteilbar, gab es auch kritische Stimmen zu dem Internationalen Frauentag 2019.

Da werden in der "Gratulation" an Genossinnen und Kolleginnen Warnungen des DKP-Vorsitzenden gesendet, der Frauentag könnte zu einem zweiten Valentinstag werden. Gekoppelt wird dies mit der Botschaft worum es auch beim Frauentag zu gehen hat " Wir bleiben beim Kampftag – für die Gleichberechtigung der Frau und darum gegen Krieg und Kapitalismus."
Ein anderer Warner findet sich für einen Kommentar in der FAZ am 9.3., Jasper von Altenbockum schreibt, dass " Frauen aufpassen müssen, dass ihnen der Weltfrauen nicht aus der Hand geschlagen wird. Denn es geht an diesem Tag längst nicht mehr nur um Frauen, sondern, wie in Hamburg, um "Frauen, Lesben, nichtbinäre, trans und inter Personen", sprich um Genderpolitik."

Soll nun gedankt werden für die Hinweise?

Wissen diese Männer nicht, dass die aktiven Frauen selbst erkennen wo Unternehmen, regierende Politiker*innen und andere, bis hin zur Bundeswehr versuchen Profit, Macht und Kanonenfutter am 8. März zu gewinnen, wissen sie nicht, dass Frauen selbst in ihren Bündnissen gemeinsam entscheiden, welche Forderungen für die Durchsetzung der Gleichberechtigung aktuell auf die Tagesordnung gesetzt werden. Zugegeben, die Debatten für Gendergerechtigkeit sind auch nicht für jede Frau einfach. Aber in Diskussionen auch um diese Fragen bewahrheitet sich: mensch lernt nie aus – wenn mensch denn lernen möchte. Es würde an diese Stelle zu weit führen, die eigenen neuen Kenntnisse aus Debatten hier zu dokumentieren, aber es gibt sie! Und überhaupt, da Frauen sich doch immer schon um andere Menschen "gekümmert" haben, weshalb sollen Frauen sich nicht solidarisch den Genderfragen öffnen?

Unbeeindruckt von diesen und anderen Warnern haben zehntausende Frauen und Unterstüt-zer*innen auf Demonstrationen deutlich gemacht, wofür gekämpft wird: für gleichen Lohn für gleiche Abend, die Streichung der Paragraphen 218/219a, die Abschaffung der ärztlichen Gutachtenpflicht zur Anerkennung von Trans- und Intergeschlechtlichkeit, gegen die Kitakrise und den Pflegenotstand, gegen die deutsche Abschiebungspolitik, gegen Krieg und Rechtsentwicklung und - last but not least- für eine feministische Zukunft.
25.000 Menschen in Berlin, 10.000 in Hamburg, 4.000 in Leipzig, 1000 in Kiel, 1000 in Hamburg, 1700 in Düsseldorf und tausende mehr in anderen Städten Deutschlands haben an den 5 vor 12 Blockaden, in denen sich Frauen mit Stühlen auf Straßen gesetzt haben, bei Kundgebungen und Demonstrationen und dem in vielen Städten um 17 Uhr stattgefundenen "Aufschrei" für die Rechte und Forderungen der Frauen beteiligt.

Wir waren bei unseren Aktionen verbunden mit Millionen Frauen auf dieser Welt! In Buenos Aires waren es mehr als 30.000, in Madrid sind über 350.000 Menschen dem Aufruf von Parteien und Gewerkschaften gefolgt, in Barcelona und Zaragoza 200.000, in Bilbao 50.000 und in vielen anderen Städten tausende Demonstrierende. Die meisten Gewerkschaften hatten für den 8. März zum Generalstreik aufgerufen und 6 Millionen Streikende sind ihnen und der feministischen Bewegung in Spanien gefolgt.

Gegen die gegen Rechtsentwicklung und diskriminierende Politik, gegen Kriegstreiberei, für glei-che Rechte für alle Menschen in Deutschland, in Europa und global müssen wir weiter gemeinsam aktiv sein. Lasst uns weiter machen, verändern wir die Machtverhältnisse in unseren Ländern und global! Dieser 8. März hat – zumindest in Ansätzen – gezeigt, dass wir es schaffen können: Die Welt steht still!

Bettina mit Fahne

 

Bettina Jürgensen, marxistische linke

 

foto oben: https://theleftberlin.wordpress.com/galleries/photo-gallery-8-march-2019-international-womens-day-frauenkampftag

 

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