Literatur und Kunst
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keine wahl bernd koehler16.04.2013: Ein Bild eines Arbeitskampfes Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Bayern: Eine Ansammlung von vielen Menschen mit roten Fahnen, Transparenten und Sandwich-Plakaten, die sich auf einer Anhöhe an einer Landstraße versammeln. Dazu – mittendrin auf einem Feldweg, beginnt ein Liedermacher zu singen, ohne Anlage, und mit lauter Stimme. Es handelt sich um Bernd Köhler, der Ort heißt Sulzbach-Rosenberg, es ist die Stahlstadt in der Oberpfalz, die um das Weiterbestehen ihrer Maxhütte kämpft – und damit um Existenz und Perspektive der Menschen in dieser Stadt. 15 Jahre später werden die Beschäftigten nach der endgültigen Schließung der Hütte in eine Beschäftigungsgesellschaft abgeschoben. Offen blieb lediglich, welche Teile der Maxhütte als Industriedenkmal erhalten werden. – Welche Perspektiven blieben für die Beschäftigten?

Bernd Köhler blickt mit seinem neuen Album und seinem Buch „Keine Wahl“ auf Arbeitskämpfe in früheren Jahren zurück, die er begleitet hat. Es sind die Songs, die Bernd Köhler alias Schlauch bekannt gemacht haben. Sie haben sein Profil als linken Künstler und Liedermacher wesentlich geschärft, und umgekehrt hat er mit seinen Liedern bei zahlreichen Auftritten bei Kundgebungen, Streiks und Betriebsbesetzungen ihnen seinen Stempel aufgedrückt. Mit ausgewählt wurden aber auch die neueren Lieder von Schlauch, das bekannte Alstom-Lied oder die Krisen-Parabel „SOS (in voller Fahrt)“.

ewo pressefotoDie Musik auf der CD umfasst 13 Titel, die alle neu eingespielt wurden. Bei der Produktion sind seine „ewo“-Musikanten mit von der Partie, wie. Hans Reffert (langjähriger Partner von ihm und Gitarrist der legendären Deutsch-Rock Band Guru Guru), Laurent Leroi (Akkordeon), Jan Lindquvist, Christiane Schmied (Keyboards), Adax Dörsam (Mandoline, Bass, Gitarre). Die Aufnahmen werden bereichert durch den Alstom-Chor, den Schlauch seit Jahren begleitet. Bei seinen bekannten Songs aus früheren Jahren kommt immer wieder die kämpferische Haltung von Schlauch zum Ausdruck, die er bei seinen Auftritten überzeugend vermittelt.

Und – weil es sich um Lieder von Arbeitskämpfen handelt, geht es natürlich immer auch um die Solidarität. - Viele Jüngere kennen vielleicht den Begriff „Aussperrung“ nur noch aus dem roten Geschichtsbuch oder gar nicht. Eines der für mich eindrucksvollsten Lieder zu dem Thema ist von Schlauch aus dem Jahr 1986 und heißt „Ausgesperrt“:

„Wer hat das Werk, in dem du schaffst wohl aufgebaut,
doch nicht der Boss, der jetzt so tut als sei’s sein Werk.
Du hast mit Klugheit, Mut und Kraft ein Leben lang,
in diesem Werk geschafft, als sei’s dein eignes Werk.
Und verraten und verkauft, so steh’st du heute da,
hast deine Arbeit gut gemacht, Tag für Tag und Jahr für Jahr…“

Die AutorInnen des Buches sind WegbegleiterInnen von Schlauch. Nicht nur seine Begleitmusiker wie Christiane Schmied oder Hans Reffert kommen zu Wort, auch Einhart Klucke, Joana, Rüdiger Bischoff, Wolfgang Alles (Alstom). Bei den Liedern und den Geschichten geht es um den Zeitraum von 1971 bis 2013. Die Frage, die sich beim Betrachten des Buches und dem Hören der CD stellt, ist: gibt es heute noch Arbeitskämpfe solchen Ausmaßes und solcher Bedeutung? Ist bei einer solchen Rückerinnerung nicht auch ein Stück Nostalgie dabei?

Die Stahlzentren wurden bis auf wenige Ausnahmen geschleift. Die ehemalige Stahlstadt Hattingen zum Beispiel, die als eine der ersten den Kampf verloren hatte, war schon im Sommer 1988 auf dem Weg, eine Tourismusstadt mit geringen Arbeitsplatzperspektiven zu werden. - Bei anderen wie bei Duisburg-Rheinhausen blieben ebenso wie bei der Maxhütte nur einige Industriedenkmäler übrig – oder brach liegendes Gelände.

Ein Bild eines für die heutige Zeit nicht untypischen Arbeitskampfes: streikende Gebäudereiniger in Deutschland. Ein klassischer Arbeiterbereich, wo der brutale Kahlschlag an tariflichen und sozialen Sicherungen die Arbeitsbedingungen skrupellos gestaltet. Es handelt sich um Beschäftigte, die nicht selten mehr als nur diesen Job brauchen, um über die Runden zu kommen und ihre Familien ernähren zu können. – Als öffentlichkeitswirksame Streikaktion waschen sie mit großer Sympathie der Passanten die an der Haltestelle wartenden Omnibusse ab und verteilen Flugblätter. Sie haben neue Losungen dabei und keine roten Fahnen. Aber sie sind mit ihrem Streik am Ende erfolgreich.
Die Formen der Arbeitskämpfe ändern sich, auch die Branchen, KollegInnen und Forderungen. Eines aber bleibt: wir haben keine Wahl, wie Bernd Köhler singt.

Die CD kostet 15 Euro, das Buch 12 Euro und im Paket, etwas günstiger, 25 Euro + Versand. Bestellen können die Leute direkt bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder bei Jump-Up (www.jump-up.de).

Die aktuellen Tourdaten sind:

20. 04. Mannheim – TECHNOSEUM
26. 04. Stuttgart – WALDHEIM GAISBURG
29. 04. Heidenheim – ALTER LOCKSCHUPPEN
01. 05. Friedrichshafen – BÜHNE AM SEE
01. 05. Freiburg – LINKES ZENTRUM-ADELANTE
06. 06. Frankfurt – IG METALL
08. 06. Backnang – WALDHEIM
29. 06. Mannheim – ROSENGARTEN

Text: Werner Lutz (Einheit(z)-Textdienst)  Fotos: Bernd Köhler

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