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alt11.01.2010: Noch sind die Proteste der etwa 1.400 Freunde der palästinensischen Nation in Kairo gegen den unmenschlich brutalen Kerker 'Gaza-Streifen', von Israel iniziiert und gemeinsam mit Ägypten schrittweise ausgebaut, nicht verklungen. Und die Aktivitäten von Humanisten in aller Welt gegen das Verschweigen und 'Vergessen' des staatsterroristischen Krieges von Israel vor einem Jahr gegen die Menschen im Gaza-Streifen laufen fort, auf dass der Schrei der Empörung gegen die entsetzliche Wirklichkeit und die Folgen des Krieges ein Ende all dessen bewirken möchte. Hier von einem der deutschen Teilnehmer am Gaza-Freiheitsmarsch aus Kairo ein Hinweis und Aufruf, wie es weitergehen sollte.

Liebe Freunde,

noch ist's informell, aber es sieht so aus, dass sehr bald 'richtig' gebeten wird, ein weltweites Netz zu spannen anlässlich (ungefähr) des Jahrestages des sogenannten Kriegsendes Israels gegen Gaza und gegen die neue Stahlmauer an der Grenze von Gaza zu Ägypten.

Ich sage es schon jetzt, weil ja nicht viel Zeit ist, um selbst tätig zu werden und möglichst viele andere Gruppen mit einzubinden. Die Organisatoren gehen davon aus, dass es gar nicht so wichtig ist, dass wir grosse Zahlen auf die Beine bringen, sondern eben deutlich machen, dass in aller Welt Leute aufstehen ... Gerade auch für deutsche Befndlichkeiten kann das sehr wichtig sein. Und wenn es fünf mit einer Kerze sind, aber - weil alle sich melden und es so bekannt ist - auf die vielen anderen auch in anderen Ländern verweisen können. Also Mahnwachen, Kundgebungen, wenn möglich Demos, z.B. vor israelischen Einrichtungen ... 

Heute gab die ägypt. Regierung bekannt, dass sie (nach all den vielen Hinhaltereien und auch gebrochenen Versprechungen) in den nächsten Wochen keinerlei Ein- und Ausreise von Internationalen in den bzw. aus dem Gaza-Streifen genehmigen wird. Daher versuche ich, meinen für 21.1. gebuchten Rückflug vorzuverlegen.

...

Herzliche Grüße, noch aus Kairo, Euer Günter

Wir werden über die entsprechenden Solidaritätsaktionen gegen die Unterdrückung der palästinensischen Nation durch Israel und seine gnadenlose Zermürbung weiter berichten. Ebenso über den Ausbau des 'zionistischen Projektes' selbst.

Vieles, was Israel vor einem Jahr und seither an Verbrechen an der palästinensischen Nation verübt hat, erweckt den Anschein großer Stärke und scheinbarer Unbezwingbarkeit. Aber die Logik solcher Politik ist doch die, dass sie immer mehr Menschen weltweit gegen sich aufbringt und genau dieser Schwäche nicht entgehen kann. So wird auch die jüngste Maßnahme der Regierung Netanjahus zum Ausbau der Festung Israel weiteren Menschen die Augen über den wahren Charakter dieser Politik öffnen: der Ausbau der Grenze Israels zu Ägypten mit einer weiteren 'Mauer'.

Wie auch Europa, so ist Israel für viele Arbeit suchende Menschen aus Afrika eine Attraktion. Fast täglich haben bisher, von Menschenschmugglern organisiert, Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Eritrea oder Somalia die Grenze Ägyptens zu Israel illegal überschritten. Einige wurden dabei von den ägyptischen Grenzern abgefangen, etwa 17 Afrikaner sollen in den letzten acht Monaten dabei erschossen worden sein. Andere werden von israelischer Polizei aufgegriffen und zurück geschickt. Ein geordnetes Asylverfahren und -recht für solche Menschen gibt es dort nicht. Geschätzt wird, dass es inzwischen ca. 17.000 afrikanischer illegaler Flüchtlinge in Israel gibt, die meist ohne Arbeit in Elendsvierteln dahin vegetieren. Anziehungspunkte sind die großen Städte, wie Tel Aviv, aber auch die Hafenstadt Eilat am Roten Meer, wo sie nach Aussagen des Bürgermeisters ein "demografisches Problem" darstellen.

Jetzt plant also Israels Regierung auch dieses 'Problem' durch ein Festungsmauer bzw. einen Festungszaun zu lösen. Premierminister Benjamin Netanjahu will 190 Mio. Euro aufwenden, um die rund 270 Kilometer lange Grenze, die Israel von der ägyptischen Sinai-Wüste trennt, unpassierbar zu machen (s. Karte). Die ersten beiden Teilstücke von je 50 km sollen im Norden vom Gazastreifen aus nach Süden und von Eilat aus nach Norden entstehen und tatsächlich durch eine Mauer wie im Westjordanland gebildet werden. Zwischen diesen Teilstücken ist dann ein unüberwindbarer Zaun mit Sicherungsanlagen und insb. Bewegungsmeldern geplant. Fertigstellung ist für 2012 geplant.

Während Netanjahu das engstirnige Eigeninteresse in den Vordergrund stellte: "Wir können nicht zulassen, dass uns tausende illegale Arbeiter überschwemmen" und jammerte "Israel ist das einzige entwickelte Land, in das man aus Afrika zu Fuß gehen kann", kam ein Abgeordneter der Knesset etwas genauer auf den rassistischen Kern des Problems: "Das ist ein Phänomen, das die Existenz und die (jüdische) Identität des Landes bedroht - wir sind wie ein Scheinwerfer, der Millionen Arbeitsmigranten in einem Ozean der Armut entgegenblinkt". Weit ist der letzte Zusatz nicht mehr von den Begriffen 'Schmeißfliegen', 'Ungeziefer', 'widerliche Insekten' entfernt.

Text: hth