Kapital & Arbeit
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Agilismo michaelmuller Flickr12.12.2017: "Wir wollen nicht im Technikmuseum enden mit Deutschland", erklärte Kanzlerin Merkel kürzlich im Bundestag. [1] "Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Und alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt", betont Telekom-Chef Timotheus Höttges [2]. Die Frage nach dem Nutzen für die Gesellschaft wird vom Unternehmensboss gar nicht mehr gestellt – vielmehr arbeiten die Marketingabteilungen der Großkonzerne daran, die Digitalisierung vor allem mit positiven Formulierungen zu versehen.


"Heute gibt es neue Bilder davon, wie wir gerne arbeiten möchten: Da ist der kreative Wissensarbeiter, der am See sitzt, den Laptop auf dem Schoß. Oder die Arbeiterin in der Produktion, die per App ihre gewünschten Schichtzeiten für die nächste Woche in den Organisationsplan einträgt", verkündet das "Weißbuch Arbeiten 4.0" der Bundesregierung. [3]

Ein neues Schlagwort darf dabei nicht fehlen: Agilität. "Das Schöne an der modernen Form der Organisation ist, dass nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die meisten Führungskräfte ihre Arbeit als sinnvoller erleben werden", verspricht Carsten C. Schermuly. [4]

Agilität klingt nach Flexibilität – und scheint aus Sicht der Beschäftigten auf den ersten Blick keine Veränderung zum heutigen Stand zu sein. Es geht aber um mehr: Agile Steuerung erfolgt, in dem sich Beschäftigten in eigener Verantwortung innerhalb der Vorgaben direkt dem Kunden gegenüber am Markt orientieren müssen.

In einem Positionspapier versprechen Konzernvertreter von BMW, Bayer-Konzern, Münchener Rückversicherung und Telekom ein "flexibleres, selbstbestimmteres und eigenverantwortlicheres Arbeiten" durch die Digitalisierung. [5]

Gleichzeitig verknüpfen die Kapitalvertreter agile Unternehmensführung mit Forderungen nach einem Abbau von Arbeiterschutzrechten. "Demgegenüber erfordern moderne Beschäftigungsformen mehr Selbstständigkeit, Kreativität und Verantwortlichkeit der Beschäftigten. Hiermit einher gehen Bedürfnisse nach mehr Selbstverantwortlichkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in der bisherigen Mitbestimmungskultur eher marginal ausgeprägt sind. Diese Selbstverantwortlichkeit ist das Pendant zu der gleichzeitig geforderten größeren Souveränität und Selbstbestimmung der Beschäftigten, wie sie zum Beispiel im Kontext flexibler Arbeitsmodelle notwendig und wünschenswert ist. Die Beschäftigten sind die Expertinnen und Experten ihrer eigenen Arbeitswelt. Diese Selbstverantwortlichkeit wird gerade von jungen Talenten zunehmend eingefordert, was dann nicht selten auch zu einem größeren Unverständnis in Bezug auf die postulierte >Schutzhaltung< vieler mitbestimmungsseitig fixierter Regelungen führt."

Das Kapital formuliert so deutliche Forderungen an die neu zu bildende Bundesregierung

txt: Marcus Schwarzbach
foto: Flickr, michael muller


isw-wirtschaftsinfo-52Marcus Schwarzbach ist Autor des neuen isw-Wirtschaftsinfo 52
"Agil und ausgepresst – Agile Unternehmensführung als Herausforderung für Gewerkschaften und Betriebsräte in der digitalen Arbeitswelt",
bestellen: https://isw-muenchen.de/produkt/wirtschaftsinfo-52/

 

 

 

 

 

 

 

Fußnoten
 [1] https://www.welt.de/politik/deutschland/article168318514/Vor-diesen-Herausforderungen-sieht-Merkel-Deutschland.html
 [2] Computer und Arbeit 7-2017, Seite 41
 [3] Weißbuch Arbeiten 4.0, Seite 4
https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a883-weissbuch.pdf?__blob=publicationFile&v=4#5
 [4] www.haufe.de/personal/hr-management/new-work-moderne-formen-der-arbeitsgestaltung/new-work-arbeiten-in-dynamischen-netzwerken_80_406700.html
 [5] Acatech, "Arbeit in der digitalen Transformation - Agilität, lebenslanges Lernen und Betriebspartner im Wandel"
www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/de/Publikationen/acatech_diskutiert/170609_DISKUSSION_HR-Kreis_WEB.pdf).


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