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real tarifflucht 121215 gobrecht29.12.2015: Die Nerven der Real-Geschäftsführung scheinen blank zu liegen. Wie sonst lässt sich erklären, dass ihr hessischer Regionalmanager Günther Bartz einen „Zwergenaufstand“ veranstaltete, als etwa 150 Streikende aus den Filialen Darmstadt, Dreieich, Eschborn, Groß-Gerau, Wiesbaden-Äppelallee und Wiesbaden-Mainzerstraße am umsatzträchtigen Adventssamstag, dem 12. Dezember 2015, vor dem Real-Markt in Dreieich gegen die Tarifflucht und für die Rückkehr in die Tarifbindung demonstrierten? Nicht nur, dass er bereits frühmorgens die Streikenden der Filiale Dreieich mit massivem Druck und verbalen Angriffen vom Ausstand abzuhalten versuchte. Als dies offensichtlich nicht zum gewünschten Ergebnis führte, fotografierte er die Unterstützer/innen des Streiks.

Zur Kundgebung der Gewerkschaft ver.di um 10.30 Uhr vor dem Markt Dreieich ließ Günther Bartz durch Einspannen des Center-Managements gut ein Dutzend Security-Kräfte als kleinliche „Drohgebärde“ sich vor dem Gebäude aufstellen. Da sich die Real-Streikenden dadurch nicht einschüchtern ließen, wurde eilends die Polizei herbeizitiert. Diese hatte Mühe, die Verantwortlichen für das „Theater“ der Real-Geschäftsführung über die demokratischen Rechte der streikenden Beschäftigten – einschließlich zu einer Kundgebung auf dem Gelände des Marktes – aufzuklären.

Erfolglos blieb auch die Beschwerde des Center-Managements, eine Reporterin des Hessischen Rundfunks habe sich „ohne Drehgenehmigung“ erdreistet, die Versammlung der Streikenden mit einer Kamera und dabei auch das Real-Markt-Gebäude aufzunehmen. Von den „Zwergenaufständlern“ vorgeschickt, forderte die Security, die Filmaufnahmen müssten augenblicklich gelöscht werden. Auch hier sorgte die Polizei für das richtige Verständnis von Demokratie und Pressefreiheit: die HR-Reporterin dürfe das muntere Treiben selbstverständlich ungehindert filmen.

Die Streikenden blieben angesichts der künstlichen Aufregung völlig „entspannt“. Sie hatten vielfach seit Tagen ihre aufgeregte Geschäftsleitung ertragen müssen, die immer wieder versuchte, die Beschäftigten vom Streiken abzuhalten. Derartiges ist bei Real wohl so normal wie der tarifwidrige Einsatz von Leiharbeitern als Streikbrecher.

Text/Foto: Horst Gobrecht
Quelle: Handeln - Informationen von ver.di Südhessen für Betriebsräte und Beschäftigte , Nr. 86 , 28. Dezember 2015

siehe auch:
Die Trumpfkarte der Falschspieler - Real strebt Haustarifvertrag an

 

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