Kapital & Arbeit
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Eura mobil Sprendlingen vm 194319.02.2015: Nachdem 60 von gut 300 Beschäftigten des Reisemobilherstellers Eura Mobil im rheinhessischen Sprendlingen in der ersten Februarwoche in einen Warnstreik getreten waren, sperrte sie die Firmenleitung für den Rest des Tages aus. Weil „wir die Reaktion des Arbeitgebers als eine Provokation empfanden“, die nach seiner Meinung auch verfassungswidrig war, so der Erste Bevollmächtigte der IGM in Bad Kreuznach, Edgar Brakhuis laut einer Pressemeldung, wurde Tage darauf erneut zum Warnstreik aufgerufen. Dieses mal mit einer Demonstration in der 4.000-Einwohner-Gemeinde.

In Sprendlingen werden seit 1959 zunächst Wohnwagen und ab 1983 Reisemobile gebaut. 2000 übernahm Eura Mobil die Namens- und Produktionsrechte der Firma Karmann Mobil. 2005 wurde Eura Mobil dann seinerseits vom internationalen Reisemobilhersteller Trigano übernommen, der an Standorten in neun europäischen Ländern 3.000 Beschäftigte hat. Eura Mobil gehört zur holzverarbeitenden Industrie, die in den benachbarten Regionen Rheinhessen und Hunsrück bis in die 80er Jahre nach der Metallindustrie der zweitwichtigste Industriezweig war. Allein der Wohnwagenhersteller Wilk hatte 4 Werke in der Region, Möbelfabrikanten wie Bretz bis zu 3.000 Beschäftigte an einem Standort. Mit dem bundesweiten Rückgang dieser Industrie schrumpfte auch die Gewerkschaft Holz und Kunststoff, die sich dann 2000 der IGM anschloß.

Nicht angeschlossen ist Eura Mobil an den Arbeitgeberverband der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie in Rheinland-Pfalz. Das oder einen entsprechenden Anerkennungstarifvertrag fordert die IGM jetzt. Sie setzte der Geschäftsleitung eine Frist von zwei Wochen, um sich zu erklären. Jetzt will die Gewerkschaft eine Arbeitskampfschulung für Kolleginnen und Kollegen aus dem Betrieb organisieren. Man will vorbereitet sein, wenn sich der Konflikt zuspitze und es zum Streik kommen sollte. Laut eigenem Internetauftritt legt die Firma Wert auf zufriedene Mitarbeiter. Ihr Verhalten spricht aber eine andere Sprache.

Text/Foto: Volker Metzroth