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23.04.2011: Krise!? Was für eine Krise? Konzerne und ihre Aktionäre haben sie längst weggesteckt. Sie melden für 2010 bereits wieder Rekorprofite und Super-Dividenden, die an das Boom-Jahr 2007 vor dem Finanz-Crash und Wirtschaftsdesaster anknüpfen. Die „Kapitalgesellschaften“ nach Definition des Statistischen Bundesamtes – AG, GmbH, OHG und KG - haben im vergangenen Jahr bei den Gewinnen um 22 % zugelegt (destatis). Die „blue chips“ der deutschen Wirtschaft, die Dax-30-Konzerne aber haben im gleichen Jahr wahre Profitraketen abgeschossen. Das ergibt sich aus einer Analyse der Geschäftsberichte durch die Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Danach stiegen die operativen Ergebnisse vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Jahr 2010 um satte 66 Prozent. In absoluten Zahlen erzielten die 30 Dax-Konzerne fast hundert Milliarden Euro (96,6 Milliarden Euro) Vorsteuergewinn, 38 Milliarden Euro mehr als im Jahr davor.

„Der Gewinn im Jahr 2010 übertraf sogar den Gewinn des Vorkrisenjahres 2008“, stellt Ernst & Young fest. Und auch das ist erst die halbe Wahrheit. Geradezu explodiert sind die Netto-Profite, also die Gewinne nach Steuern: Um sagenhafte 123,6 % auf 64,6 Milliarden Euro schossen sie nach oben, wie E&Y ebenfalls errechnete. Eine derart fulminate Gewinnsteigerung in einem Jahr gab es noch nie.

Die fast doppelt so hohe Steigerungsrate beim Nettogewinn bedeutet, dass die Konzerne offensichtlich erheblich an Steuern gespart haben. Vermutlich haben sie Verlustvorträge aus den Vorjahren geltend gemacht oder andere Steuertricks angewandt. Die konzernfreundliche Steuergesetzgebung des Fiskus macht es möglich.

Besonders erfolgreich beim Geldscheffeln waren die Autokonzerne mit einem (Vorsteuer-) Gewinnzuwachs von 8,8 Milliarden Euro (Daimler), 5,3 Milliarden (VW) und 4,8 Milliarden (BMW). Sie profitierten vor allem vom Exportboom in die Schwellenländer und zunehmend auch wieder in die USA. Aber auch die Energiekonzerne, die hauptsächlich die inländischen Verbraucher abzocken, verdienen sich dumm und dämlich. Für die Viererbande der Strommonopolisten – E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall – wurde 2010 zum Rekordjahr. „Ihr gesamter Jahresgewinn dürfte bei rund 30 Milliarden liegen. Nie zuvor haben sie einen höheren Gewinn eingefahren“, sagt Gunnar Harms, stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher. Mit der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke wollen sie in den nächsten Jahren noch strahlende Extraprofite erzielen. Mit einem Vorsteuergewinn von 9,5 Milliarden Euro führt E.ON bereits jetzt die Hitliste der Profitrenner an. RWE bringt es auf 7,7 Milliarden Euro.

Gewinntreiber waren aber auch die Spar- und Kostenreduzierungsprogramme, die die Konzerne in der Krise zu Lasten der Belegschaften auflegten (siehe isw-wirtschaftsinfo 43, S. 43f). Telekom z.B. sparte in einem Jahr eine Milliarde Euro an Kosten ein. Dieses Kostendumping zum großen Teil in Form von Stellenstreichung erklärt auch, dass trotz eines gigantischen Profitbooms, die Arbeitskräftebilanz äußerst mager ausfiel. Satte Gewinne, keine Jobs – auf diese einfache Formel lässt sich der Dax-Jahresrückblick auf das Jahr 2010 bringen. Die Zahl der „Mitarbeiter“ stieg der Young-Analyse gerade mal um ein Prozent – und  auch dies „nur aufgrund von Zukäufen“, also Einverleibung anderer Unternehmen oder Unternehmensteile.  Zwölf der untersuchten Dax-Konzerne hatten sogar weiter Arbeitsplätze vernichtet. Stellen abgebaut. Allen voran Commerzbank (- 5,7 %), ThyssenKrupp (- 5,4 %), Telekom (- 5,1 %), Deutsche Post (- 3,5 %). Insgesamt waren bei den Dax-30-Unternehmen im Jahr 2010 3,75 Millionen Mitarbeiter beschäftigt.

Steigende Dividendenflut

Üppigst bedient wurden dagegen die Aktionäre für die anstrengende Tätigkeit des Aktien-Haltens (Shareholder). Sie können wahre Freuden-Feuerwerke abbrennen. Um 16 % stieg der Wert ihrer Aktien im Durchschnitt – soviel legte der Dax im vergangenen Jahr zu. Und jetzt geht ein wahrer Dividenden-Goldregen auf sie nieder. Insgesamt 25,6 Milliardem Euro an Dividenden aus den Gewinnen 2010 schütten die Dax-30-Konzerne im ersten Halbjahr 2011 aus, 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Die zweithöchste Ausschüttung in der Geschichte des Dax. Top-Dividendenzahler ist wieder einmal der Arbeitsplatzvernichter Telekom, die 3,01 Milliarden Euro ausschüttet, fast doppelt so viel wie der ausgewiesene Jahresgewinn beträgt; gefolgt vom Strom-Riesen E.ON mit 2,86 Milliarden Euro. Die höchsten Dividenden-Renditen erzielten die Stromkonzerne RWE und E.ON mit 7,8% bzw. 7,0%, gefolgt von Telekom 6,5%, Münchner Rück (MunichRe) 5,7% und Deutsche Post 5,2% - Verzinsungen, die sich sehen lassen können.

Ausblick 2011: Nach Ansicht aller Finanzdienstleister wird 2011 für die Dax-Konzerne noch profitabler und für die Aktionäre noch lukrativer. Neue Profit- und Dividenden-Rekorde sind angesagt.

Text: Fred Schmid (isw-München)   Foto: J. Hayne

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