Farkha Festival
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Farkha-Festival2016 1208.08.2016: Nachdem sich Kerem bereits wieder auf dem Rückweg befindet, übernimmt Max van Beveren die Berichterstattung. Heute berichtet er über die tägliche Arbeit beim Festival, über ein Gespräch mit Sabrina, die für „project hope“ unterwegs ist, und über einen 'Marathon'-Lauf, der erstmals im Zuge des Farkha Festivals stattgefunden hat.


Die Kraft schwindet, die Solidarität wächst
Auch der heutige Tag des Farkha Youth Festivals 2016 beginnt mit dem obligatorischen Frühstück, bestehend aus Chai-Tee und Manakeesh, einem Fladenbrot ähnlichen Gebäck. So früh am Morgen fällt dabei eines auf: die letzten Tage sind nicht spurlos an den Helfer*innen vorbeigegangen. Die wenigen Stunden Schlaf, das frühe Aufstehen, natürlich die körperliche Arbeit und die weiteren Aktivitäten, welche rund um das Festival stattfinden, kosten viel Kraft. Doch all das lohnt sich. Denn durch die tägliche gemeinsame Arbeit, sowie durch die Veranstaltungen, Vorträge und Diskussionen erhält man nicht nur völlig neue politische und kulturelle Eindrücke des Landes, sondern zeigt somit aktiv Solidarität mit den Freiheitsbestrebungen der palästinensischen Genossinnen und Genossen.

"project hope" ..
Heute wurde die Arbeit, im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, auf dem Festivalgelände selbst verrichtet. So musste der Pausenhof von Müll befreit, die Grünanlagen umgegraben und zahlreiche Wände und Klassenzimmer gestrichen werden. Wieder herrschen weit mehr als 30°C. Ohne einen Pali, den mir ein junger Genosse mit einer speziellen Technik, die ich mir unbedingt aneignen muss, um den Kopf bindet, ist es kaum auszuhalten.

Ich habe mich erneut der Gruppe angeschlossen, deren Aufgabe das Streichen war. Dabei lerne ich Sabrina aus den USA kennen. Sie ist gestern mit einer kleineren Gruppe zum Festival hinzugestoßen, und ich komme sofort mit ihr ins Gespräch. Sie erzählt, dass sie für zwei Monate in Palästina bleiben wird, um freiwillige Arbeit für das „project hope“ zu leisten. Diese NGO, die schon 1958 in Amerika gegründet wurde, stellt weltweit lebenswichtige Medizin und Hilfe zur Verfügung, mit dem Ziel, Krankheiten vorzubeugen und die Lebensqualität zu fördern. Mit der Hilfe von mehr als 23.000 Aktivist*innen konnte somit bereits über 1 Millionen Menschen geholfen werden (Mehr Informationen: projecthope.org).

.. und das portugiesische Projekt Tamera
Nachdem wir den Wänden rund um den Fußballplatz und in den Klassenzimmern einen neuen Anstrich verpasst hatten, sind alle Teilnehmer*innen des Festes zusammengekommen, um eine Solidaritätsbekundung für den Ort Tamera abzuhalten. Tamera, das nahe der Westküste Portugals liegt, ist ein Projekt, das 1978 in Deutschland, mit dem Gedanken eines gewaltfreien Lebensmodells für Mensch, Tier und Natur, gegründet wurde. Im Mittelpunkt dieses Projekts steht zudem die Befreiung der Sexualität, Liebe und Partnerschaft von Lüge und Angst, „denn es kann auf der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist“. Zugegeben, das alles mag sehr hippiesk klingen, doch, und damit kommen wir zum zentralen Thema, den rund 170 Bewohner*innen aus Tamera geht es bei diesem Projekt vor allem um „die Rückbesinnung auf ökologische Kreisläufe, um Kooperation und Kontakt statt Ausbeutung“. Wie Saad Dagher diese Woche schon in einem Vortrag über „resistance economies“ (siehe Artikel: Farkha Festival 2016, Widerstandsökonomie und ökologischer Gartenbau) erklärte, kann ökologischer und bewusster landwirtschaftlicher Anbau gerade in Palästina dafür genutzt werden, die Abhängigkeit vom israelischen Markt zu beenden, indem man mit Hilfe des „egological gardening“ die heimischen Märkte unterstützt. Mit den Vorstellungen aus Tamera versucht man daher auch in Farkha, welches übrigens das erste palästinensische Dorf ist, das „ecological gardening“ anwendet, eine befreite Gesellschaft zu errichten.
 
'Marathon' von Salfit nach Farkha
Am späten Nachmittag wird es auf dem Schulgelände in Farkha lauter und lauter. Zahlreiche Kinder und Jugendliche aus dem Dorf, aber auch aus den umliegenden Dörfern kommen auf dem Pausenhof zusammen und stimmen schon jetzt zu den ersten Sprechchören, begleitet von euphorischem Beifall, an. Die Stimmung ist sehr ausgelassen, denn heute wird erstmals ein Marathon im Rahmen des Farkha Youth Festivals stattfinden. Natürlich treten wir nicht die klassische Strecke von 42 Kilometern an, sondern beschränken uns auf 4,5 Kilometer. Schließlich geht es darum, dass alle daran teilnehmen können, ohne, dass irgendjemand ausgeschlossen wird.
 
Das Handeln und Organisieren innerhalb der Gemeinschaft ist übrigens auch eines der wesentlichen Aspekte des Festivals. Die Ellbogengesellschaft, welche maßgeblich durch die kapitalistischen Verhältnisse geschaffen wird, erfahren wir beinahe täglich. Es scheint lediglich darum zu gehen, für sein eigenes Wohl zu sorgen und nur für den Erwerb eigener Vorteile zu handeln. Doch genau das soll auf diesem Festival durchbrochen werden. Hier wird eine Woche lang gezeigt, dass es auch anders geht. Hier wird das Essen gemeinsam zubereitet, man erneuert gemeinsam Straßen, streicht gemeinsam Wände, diskutiert und tanzt. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau spielt dabei eine zentrale Rolle. Diskriminierung jeglicher Art hat auf diesem Festival nichts verloren!
 
Farkha-Festival2016 11Nachdem sich alle Kinder, Jugendliche und deren Eltern auf dem Gelände der Schule eingefunden haben, werden die letzten Vorbereitungen für den Lauf getroffen. Jede*r Teilnehmer*in erhält eine Startnummer, anschließend geht es mit dem Auto oder dem Bus in das benachbarte Dorf Salfit, wo der Marathon starten wird. Natürlich nehmen auch wir als deutsche Delegation daran teil. In Salfit selbst versammeln sich alle Teilnehmer*innen und warten gebannt auf den Start. Es werden noch die letzten Dehnübungen vorgenommen, als schließlich das Signal ertönt und 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene euphorisch loslaufen. Zwar handelte es sich nur um einen 4,5 Kilometer Lauf, doch dieser brachte manche Schwierigkeit mit sich. Nicht nur lag dies an der Strecke selbst, die meistens bergauf verlief, sondern auch an der Temperatur, die selbst gegen 18:00 Uhr abends noch 30°C betrug. Trotz alledem können wir stolz auf uns sein. So belegte Leo, ein Genosse aus Bremen, den 5. Platz, Kerem den 12. Platz und ich selbst den 13.

Die Siegerehrung und Preisverleihung fand in direktem Anschluss zum Marathon statt. Eigens für diesen Anlass haben Genossinnen und Genossen schon einen Tag zuvor eine Bühne errichtet, auf der zuvor auch Musik gespielt und der traditionell palästinensische Dabka getanzt wurde. Es dauert nicht lange, da erheben sich auch die Kinder und Jugendlichen von ihren Plätzen, finden sich Gruppen zusammen und beginnen zu singen und zu tanzen. Es ist schön, alle so ausgelassen feiern zu sehen, fern ab von politischen Auseinandersetzungen und Problemen, denen sie im alltäglichen Leben ausgesetzt sind.
 
PS: Aktuelle Fotos, Videos und Informationen zum Ablauf des Festivals findet ihr übrigens auch auf den Facebook-Seiten von


txt: Max van Beveren
fotos: Max van Beveren, Leo Castro


 

siehe auch:

 

 

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