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Der reine Wohnsinn? Wohnen ist ein Menschenrecht

mit Andrej Holm (Andrej Holm ist Soziologe, bewegungsnaher Stadtforscher und verhinderter Staatssekretär)

Freitag, 13. April 2018, 19:00 Uhr

im Lovelace, Kardinal-Faulhaber-Straße 1, 80333 München

Am Sonntag geht es weiter mit dem Tagesseminar:

Der Lehrbereich „Politische Soziologie sozialer Ungleichheit“ am Institut für Soziologie mit Stephan Lessenich, das Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Forschungs- und Lehrbereich Meyen und die Aktionsgruppe Untergiesing , laden euch herzlich zu einem wohnungspolitischen Wochenende (13/15. April 2018) mit dem bekannten Stadtsoziologen Andrej Holm ein.

Wohnen ist Menschenrecht – aber wer kann es sich überhaupt noch leisten, dieses in Anspruch zu nehmen? Nicht nur in München ist die gängige Floskel vom „unbezahlbaren“ Wohnraum für viele zur knallharten Realität geworden. Auch in anderen Kommunen und auch jenseits der Ballungsräume schlägt der „Wohnungsmarkt“ Kapriolen, die zwangsläufig fragen lassen: Wie bitte soll das noch weitergehen?

Zu dieser und davon abgeleiteten Fragen werden Andrej Holm und Laura Weißmüller im Gespräch mit Cordula Kropp Stellung beziehen. Andrej Holm ist Soziologe, bewegungsnaher Stadtforscher und verhinderter Staatssekretär. Laura Weißmüller ist Kunsthistorikern und bei der Süddeutschen Zeitung Redakteurin mit besonderem Interesse für Architektur und Raumgestaltung. Cordula Kropp ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Risiko- und Technikforschung an der Universität Stuttgart. Mit dabei eine Vertreter*in der Aktionsgruppe Untergiesing.

> Zum Tagesseminar „Wohnen auf der Kippe – Grundlagen der neuen Wohnungsfrage

 

Wohnen auf der Kippe – Grundlagen der neuen Wohnungsfrage

Sonntag, 15. April / 10:00 - 16:00

am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Oettingenstr. 67, Raum L155

Spätestens seit dem jüngsten Armutsbericht ist bekannt, dass die übergroße Mehrheit der Münchner Bevölkerung mit niedrigem und mittlerem Einkommen sich diese Stadt nicht mehr leisten kann. München ist damit Spitze des Eisbergs und Vorreiter einer Entwicklung, die auch in anderen Großstädten der BRD seit vielen Jahren zu steigenden Mieten, Verdrängung von Mieter*innen und einer Umstrukturierung ganzer Städte führt. Und obwohl die Ausgangssituationen, Kontextbedingungen und (staatliche) Wohnungspolitiken in einzelnen Ländern ganz verschieden sind, ist die Frage aufzuwerfen, ob Gentrifizierungsprozesse von Los Angeles bis Istanbul nicht im Grunde auf sehr vergleichbaren Dynamiken fußen. Im Zuge der angespannten Lage auf den großstädtischen Wohnungsmärkten ist derzeit immer wieder zu hören, dass die Mieten den Löhnen davonlaufen. Doch wie ist das gemeint?

Wieso steigen Mieten? Und warum kostet Wohnraum eigentlich überhaupt Geld?

Für die Beantwortung dieser Fragen müssen wir etwas weiter ausholen und tiefer einsteigen. Denn der Wohnungsmarkt ist kein Markt wie jeder andere und Wohnungskrisen lassen sich bis in die Zeit der Industrialisierung zurückverfolgen, als Wohnraum zur Ware wurde und breite Teile der Bevölkerung sich in die Lohnarbeit gezwungen sahen. Im 21. Jahrhundert erhält sich der krisengebeutelte Kapitalismus trotz minimaler Wachstumsraten in den postindustriellen Gesellschaften am Leben – nicht zuletzt durch Landnahmen auf vormals wenig profitträchtigem oder gar dekommodifiziertem Terrain: alte Werkswohnungen werden aufgekauft, Sozialwohnungen abgerissen und stattdessen Luxuslofts errichtet. Die derzeitige Wohnungsfrage ist demnach nicht durch einen vermeintlichen Mangel an Wohnraum aufgrund von Bevölkerungswachstum oder Wanderungsbilanzen zu erklären. Sie ist das Produkt einer jahrelangen, politisch geförderten und prinzipiell grenzenlosen Inwertsetzung von Bausubstanz. Die Strategie des Kapitals ist so banal wie altbacken: Gewinne werden auf dem Wohnungsmarkt generiert über Grundrenten, und weil es sonst nicht mehr viel zu holen gibt, stürzen sich in Zeiten des Finanzmarktkapitalismus alle auf Immobilien. Insbesondere der deutsche Immobilienmarkt gilt seit der Krise 2008 ff. weltweit Kapitalanlegern als ‚sicherer Hafen‘. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Rente und Profit? Steht einer neuer Crash denn überhaupt bevor? Und warum kann man Sozialwohnungen einfach abreißen?

Inhalte des Tagesseminars

Fragen über Fragen, die wir im Rahmen eines Tagesseminars gern gemeinsam diskutieren möchten. Als Referent haben wir Andrej Holm eingeladen, um uns nicht nur theoretische Grundlagen über die politische Ökonomie des Wohnens anzueignen, sondern auch Möglichkeiten und Grenzen politischer Praxis zu auszuloten. Wir fragen dabei sowohl nach den strukturellen Determinanten der Wohnungsversorgung (Eigentumsverhältnisse, Wohnungsbau, Kapitalinteressen, Staat) in kapitalistischen Gesellschaften als auch nach sozialen Mechanismen, über die der Zugang zu Wohnraum reguliert wird (Diskriminierung und Ausschlüsse vom Wohnungsmarkt, politische Regulierungsversuche, Umverteilung und Aneignung). Da wir selbst ein praktisch-politisches Anliegen mitbringen, soll es im Tagesseminar genauso um Handlungsspielräume und potenzielle Akteure politischer Interventionen gehen. Denn die Logiken von Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik vollziehen sich nicht (nur) hinter dem Rücken der Akteur/innen, sondern sie werden auch ‚gemacht‘.

Begrenzte Plätze. Teilnahme am Tagesseminar nur nach vorheriger Anmeldung an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Das Tagesseminar ist offen für alle, Vorwissen ist nicht nötig.

Zur Vorbereitung empfehlen wir folgende Texte zur individuellen Lektüre:

  • Harvey, David, 2013: Die urbanen Wurzeln kapitalistischer Krisen. In: ders., Rebellische Städte. Vom Recht auf Stadt zur urbanen Revolution. Berlin: Suhrkamp 65-126.
  • Holm, Andrej, 2011: Wohnung als Ware. Zur Ökonomie und Politik der Wohnungsversorgung. In: Widersprüche – Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich 31 (2011), 121, 9-20.
  • Bodenschatz, Harald, 1987: Platz frei für das Neue Berlin! Geschichte der Stadterneuerung in der ‚größten Mietskasernenstadt der Welt‘ seit 1871. Berlin: transit, 9-16.
  • Egner, Björn, 2014: Wohnungspolitik seit 1945. Bundeszentrale für politische Bildung.

Wir schicken die Literatur nach Anmeldung gern per Mail zu.

Wir freuen uns auf euer Kommen,

Stephan Lessenich – Soziologe und Ko-Vorsitzender der Partei mut,
Saskia Gränitz,
Kerem Schamberger (Kommunikationswissenschaftler, Aktivist bei marxistische linke) und die
Aktionsgruppe Untergiesing

     

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