Ein lange geplanter Mord

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Berta-Caceres-Guardian04.11.2017: Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres, indigene Aktivistin und Gründerin des „National Council of Popular and Indigenous Organization of Honduras“, in ihrer Heimatstadt La Esperanza erschossen. Zu dieser Zeit organisierte Cáceres den Widerstand einiger indigener Kommunen gegen den Agua Zarca Damm auf dem Fluss Gualcarque. Die New York Times und Democracy Now berichten nun von neuen, schockierenden Enthüllungen, welche eine monatelange und akribisch Planung des Mordes offenlegen.

 

Die Indizien reichen bis zur höchsten Ebene des für den Damm verantwortlichen Konzerns „Desarollo Energetica“ (DESA). Der Bericht [1]Berta-Cáceres wurde von fünf internationalen Anwälten aus Nord-und Südamerika zusammengestellt und hat die Überprüfung von rund 40.000 Textnachrichten zur Grundlage. (siehe auch: Berta Cáceres ermordet)

Der Fall Cáceres zeigt deutlich wie weit Konzerne zu gehen bereit sind, um ihre Projekte zu realisieren, seien sie noch so unbedeutend. Dabei ist Cáceres bei weitem nicht das einzige Opfer:  2016 wurden weltweit 201 Land-und UmweltaktivistInnen ermordet und war somit das gewalttätigste der bisher dokumentierten Jahre. Wie der Mord an Cáceres, gehen viele andere Morde auf das Konto von Konzernen und staatlichen Sicherheitskräften, so die britische Tageszeitung The Guardian.

Allein dieses Jahr sind 158 Menschen ermordet worden, während sie Ihr Land, ihre Kommunen und natürliche Ressourcen verteidigten. Hochgerechnet werden also vier AktivistInnen pro Woche ermordet.

Nun hat Anfang des Jahres die britische Zeitung The Guardian in Zusammenarbeit mit der internationalen NGO Global Witness ein Projekt ins Leben gerufen, mit dem Ziel alle Opfer zu dokumentieren, einen Überblick über die weltweiten Vorgänge zu schaffen und den Opfern Stimme und Gesicht zu verleihen. [2]

Billy Kyte, Leiter der Kampagne bei Global Witness, macht deutlich, dass die Ermordungen keineswegs Einzelfälle sind, sondern Teil einer allgemeinen Entwicklung: „Dies sind keine isolierten Zwischenfälle. Sie sind symptomatisch für einen systematischen Angriff auf entlegene und indigene Kommunen seitens staatlicher und unternehmerischer Akteure.“ [3]

Gleichzeitig ist laut WissenschaftlerInnen eine wachsende Zahl umweltpolitischer Konflikte zu betrachten. Ein von der EU geförderter Atlas über derzeitige Umweltkonflikte, welcher von AkademikerInnen aus 23 Universitäten zusammengestellt wird, verzeichnet aktuell 2.261 Konflikte bezüglich Wasser und Land, inklusive deren Verschmutzung sowie Vertreibung und Bergbau. [4]

John Knox, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Umwelt, kommt im Guardian zur folgender Einschätzung: „Es ist aktuell wie eine Epidemie, eine Kultur der Straflosigkeit, gewissermaßen so, als könnte jeder UmweltaktivistInnen töten ohne Folgen zu fürchten, jeden  eliminieren zu können der im Weg steht. Es geschieht beim Bergbau, der Agrarwirtschaft, illegalen Abholzungen und Dammbau.[5]

Würde es das Projekt des Guardian nicht geben, müsste es wohl dringend ins Leben gerufen werden. Es zeigt auf frappierende Art und Weise, das buchstäblich alles dem Profit untergeordnet wird und nicht lokale Interessenkonflikte die treibende Kraft sind, sondern viel mehr die Großindustrie und ihre Verbündeten in Staat und Sicherheitsbehörden. Mord ist offenbar probates Mittel zur Durchsetzung privatwirtschaftlicher Interessen.

Laura Cáceres, Tochter der ermordeten Berta Cáceres, bringt es bei einer von „Not One More“ organisierten Konferenz in Oxford im Juni diesen Jahres auf den Punkt: „Berta Cáceres war ein Hindernis für das System. Honduras ist dermaßen in Mitleidenschaft gezogen worden; 30 % aller Ländereien sind transnationalen Unternehmen zugesprochen worden. Konzerne übernehmen indigene Lebensräume. Wälder werden privatisiert. Meine Mutter war voller Leidenschaft bezüglich ihres Landes, ihrer Wurzeln, und war entsetzt von der bösen und brutalen Gestalt mit der der Imperialismus agiert.“ [6]

txt: Stefanos Kontovitsis

Fußnoten:

   [1] https://www.gaipe.net/wp-content/uploads/2017/10/Represa-de-Violencia-ES-FINAL-.pdf
   [2] https://www.theguardian.com/environment/ng-interactive/2017/jul/13/the-defenders-tracker
   [3] The Guardian Weekly, International News Special Report, 28.07.17, S.12
   [4] http://ejatlas.org/
   [5] The Guardian Weekly, International News Special Report, 28.07.17, S.12
   [6] The Guardian Weekly, International News Special Report, 28.07.17, S.12


 

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Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

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Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71

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Mi, 22. November 2017, 20:00 Uhr, Rüsselsheim, Stadtbücherei am Treff
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