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hwc Almazra center 280628.08.2014: Auch wenn meine Berichterstattung aus Palästina eigentlich schon vorbei ist, will ich doch noch einen kurzen Überblick über die politischen Gespräche geben, die wir zusammen mit den katalanischen Genossinnen geführt haben. So besuchten wir am vergangenen Sonntag das Health Work Comitee in Ramallah. Dieses Volkskomitee für Gesundheit wurde 1984 von linken palästinensischen Ärzten gegründet und hat mittlerweile 260 MitarbeiterInnen in der Westbank. Das Komitee arbeitet zu Gesundheits- und Entwicklungsfragen. So betreibt es 17 Gesundheitszentren unterschiedlicher Art. Außerdem gibt es einige mobile Gesundheitseinheiten, die von Stadt zu Stadt fahren. Dort werden PalästinenserInnen gegen einen sehr geringen symbolischen Beitrag ärztlich behandelt.

 Dies ist deshalb wichtig, da es in Palästina keine öffentlichen Krankenversicherungen gibt. Bis auf Beamte (es gibt ca. 100.000 Beamte, bei 2,8 Millionen Einwohnern in der Westbank), müssen sich alle Menschen privat versichern. Viele können sich dies nicht leisten und sind ohne jeglichen gesundheitlichen Schutz. Die wenigen an die Palästinensische Autonomiebehörde angegliederten Krankenhäuser sind vollkommen überfordert. So kommen bei einem Arbeitstag von fünf Stunden auf einen Arzt mehr als 100 Patienten, bei einer durchschnittlichen „Behandlungszeit“ von drei Minuten.

HWC logoDie vom Health Work Comitee betriebenen Gesundheitszentren befinden sich immer in marginalisierten Armenvierteln. Finanziert werden sie durch Spenden aus dem Ausland. Vor allem aus Spanien und dabei besonders aus den autonomen Regionen Katalonien und Baskenland kommen die Gelder. Aus Deutschland kommt so gut wie nichts. Hilfsgelder wie z.B. von USAID, die an Bedingungen geknüpft sind und zum Beispiel eine Anti-Terrorismus-Klausel beinhalten (die die Zusammenarbeit mit Organisationen ausschließt, die auf diversen Terror-Listen stehen) werden kategorisch abgelehnt.

HWC Kerem 4865Ein Schwerpunkt liegt in der gesundheitlichen Aufklärung von Frauen. Im sog. Frauengesundheitsprogramm werden Kurse zu Sexualverhütung, Geschlechtskrankheiten und Gesundheitserziehung angeboten. Für Männer werden Seminare gegen Gewalt gegen Frauen organisiert. Das HWC betreibt gleichzeitig das einzige Zentrum gegen Brustkrebs. Die Brustkrebsrate liegt bei palästinensischen Frauen zwar mit 1 von 12 Frauen niedriger als im weltweiten Schnitt, allerdings ist die Mortalitätsrate um einiges höher. Dazu muss man wissen, dass es in der Westbank keine Chemotherapie gibt. Jegliche medizinische Geräte, die mit Radiologie arbeiten sind von der israelischen Regierung verboten, mit der Begründung, das Material könne zum Bau von Raketen mit Atomsprengköpfen genutzt werden. Für eine Krebsbehandlung muss so entweder ein Antrag auf Einreise nach Israel gestellt werden, um in einem dortigen Krankenhaus behandelt zu werden (diese Anträge werden oftmals abgelehnt), oder man muss sich auf die beschwerliche Reise nach Jordanien über die King Hussein-Bridge begeben, die für kranke Menschen unzumutbar ist. (siehe auch: 21. Farkha-Festival in Palästina: Fahrt nach Jerusalem und Abschied)

Neben Gesundheitsfragen, kümmert sich das HWC auch um Entwicklungs-Programme. So werden Therapien für Menschen mit Behinderungen angeboten aber auch mit Jugendlichen, vor allem in Jerusalem, wird gearbeitet. Dort wird Drogenabhängigkeit und die damit verbundene Gewalt zu einem immer größeren Problem. Mit einem Freizeitheim in der Altstadt Jerusalems soll dagegen vorgegangen werden. Dieses wurde aber von der israelischen Besatzung vor drei Jahren geschlossen. Ein israelisches Gericht entschied in diesem Jahr, das Freizeitheim wieder zu eröffnen, allerdings ist es durch den langen Leerstand ziemlich verfallen und muss erst wieder renoviert werden.

Während die Arbeit des HWC von allen politischen Parteien in Palästina anerkannt ist und unterstützt wird, stellt die israelische Besatzung der Westbank eines der größten Hindernisse dar. So bekommen die MitarbeiterInnen in Ramallah keine Einreisegenehmigung für das nur 15km entfernte Jerusalem. Auch die willkürlichen Straßensperrungen stellen für die mobilen Gesundheitseinheiten und die MitarbeiterInnen ein Problem dar. So dauert die Fahrt von Ramallah nach Nablus teilweise bis zu 6 Stunden, obwohl die Entfernung nur ca. 50km beträgt.

hwc kerem 4863Das HWC sucht immer freiwillige HelferInnen, auch aus dem Ausland, um sie bei der Arbeit zu unterstützen. Allein in den letzten sechs Monaten kamen mehr als 260 Freiwillige, besonders MedizinstundentInnen aus dem Ausland.

Dieser kurze Bericht über die Arbeit dieser fortschrittlichen Gesundheitshilfsorganisation soll gleichzeitig ein Aufruf an interessierte Jugendliche sein, in die Westbank zu fahren und konkret vor Ort zu helfen. Wer Interesse hat, kann die Freundin Nida Yaish-Aker unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! kontaktieren. Sie arbeitet in der Public Relation-Abteilung des HWC und hilft gerne weiter.

Text: Kerem Schamberger  Fotos: Kerem Schamberger/HWC(Almazra center)

Im Anhang der HWC Annual Report 2013 (english)

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